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A RS-Avalon

Bordbuch · Eintrag 16

Nebel, Silber und ein Ultimatum

Sitzung vom 25:10:10225 NKS

Aufgezeichnet von Skadi

Das Essen in dieser Taverne war besser als die Pläne, die über ihm geschmiedet wurden, also aß ich, während die anderen redeten. Draußen lagerte das freie Volk, ihr Anführer hatte bis Sonnenaufgang Zeit gegeben, und die Hexe sagte gleich als Erste, was alle dachten: Das, was wir bei Juno abgezogen hatten, würde hier kein zweites Mal funktionieren.

Kendron ordnete das Durcheinander schließlich in drei Haufen. Späher, Versorgung, Verteidigung. Der Drache wollte die Feinde mit Feuer und Lichtspielen erschrecken, Ayana dachte zuerst an Kranke, Kinder und Alte, und Astaria erinnerte sich an einen alten U-Bahn-Tunnel, kaum einen Steinwurf entfernt. Irgendjemand musste nachsehen, ob der Weg dorthin frei war. Ich bot es an. Kendron fragte ungläubig, ob ich wirklich helfe. Wenn ich schon einmal hier sei, sagte ich, und außerdem bezahlten sie die Getränke. Und das Essen, fügte er hinzu. Ein fairer Handel, mehr nicht. Dass ich die Bande inzwischen besser leiden kann, als mir lieb ist, muss niemand wissen.

Der Barkeeper, der die ganze Zeit mit sorgenvollem Blick auf seine Flaschen gelauscht hatte, mischte sich ein. Ob wir gegen die da draußen kämpfen wollten? Kaum hatte Shane ihm erklärt, dass wir sein Heim schützen wollten, standen schon ein paar kräftige Gäste neben ihm. Marls Sägewerk für Holz, die Brennerei nebenan mit dem Alkohol für die Generatoren, alles sollte uns gehören. Und wenn wir die Nacht überlebten, gingen die Getränke auf ihn. Astaria murmelte, wir stellten hier gerade eine kleine Armee auf, und Ayana flüsterte ihr zu, darin seien wir wohl gut. Leider stimmt das.

Ich nahm einen letzten Schluck, ein Stück Brot in die Hand und ging. Was die anderen in der Zwischenzeit trieben, haben sie mir später erzählt, und ich gebe es so wieder.

Kendron und Shane folgten den Spuren aus der Siedlung bis zu einer Zeltstadt, die diesmal ungleich besser bewacht war, als hätte sich herumgesprochen, was auf dem anderen Planeten geschehen war. Sie lagen im Gras und zählten. Über fünfhundertsechzig Fußsoldaten, keine Banditen, sondern ehemalige Soldaten oder Söldner, meinte Shane. Dann rollten Käfige heran, sieben Stück, in denen Vampire saßen, begleitet von zwölf Robenträgern. Shane erkannte sie wieder: dieselbe Sorte, die ihn einst vor dem Bunker gelähmt hatte. Er verbarg seine Präsenz, so gut er konnte, während der Anführer seinen Leuten zurief, die Siedlung wolle sich ihnen nicht anschließen, also müsse man sie überzeugen. Abmachungen halte man ein. Bei Sonnenaufgang sei es soweit.

In der Siedlung läutete derweil die Glocke in einem neuen Rhythmus, nachdem Astaria mit dem Bürgermeister gesprochen hatte. Flint verteilte drei Viertel seiner Helfer auf Barrikaden an jeder wichtigen Straße und brachte dem Rest bei, wie man ordentliche Brandbomben baut. Astaria fand ihn dort und gestand ihm, sie habe von genau so einem Moment geträumt. Überrannt zu werden, und dann ein Ritual, das das Land an den Feind bindet. Sie sprach von den Türmen des Imperators und stolperte dabei über ein Wort, das sie schnell verschluckte. Der Drache sah ihr in die Augen und versprach, ihr immer zur Seite zu stehen, wenn sich Leute gegen eine größere Macht wehren. Danach zog sie los, um eine Barriere vorzubereiten, und ritzte mit ihrem Schwert summend Kerben in den Boden vor der Mauer.

Ayana war im kleinen Krankenhaus ganz in ihrem Element, und Ciran ging den Ärzten zur Hand, bettete Patienten auf Schlitten um. Ich fand den Zugang auf der Seite, wo kein Feind stand, und kam zurück, um die kleine Frau zu suchen. Wie hieß sie noch gleich? Ayana. Ich brüllte es so lange, bis sie herauskam. Dann führte ich den Zug an: Kinder, die eng aneinandergedrückt und unheimlich still liefen, Alte, Kranke. Ayana hob ein Mädchen auf, das stolperte, und sah dabei aus, als dächte sie an ganz andere Kinder. Ciran plauderte mit einer alten Frau mit gebrochenem Bein, nur damit sie nicht an die Nacht denken musste. Unten gab ich Ayana meine Feenlampe. Sie lächelte, als hätte ich ihr etwas Kostbares geschenkt. Ciran tarnte den Eingang später mit Ästen und Ranken und stellte freiwillige Wachen auf.

Als Kendron und Shane zurückkamen, kündigte Kendron sich an der Mauer allen Ernstes mit einem ps ps ps an. Astaria warf ihm einen vernichtenden Blick zu, sie hatte die beiden längst an ihren Schritten erkannt, und Shanes Schultern bebten vor unterdrücktem Lachen. Danach wurde es schnell wieder ernst. Kendron fragte, wer in ihrem Traum gewonnen habe. Leider ja, war die Antwort auf die Frage, ob sie solche Ahnungen kenne. Sie erzählte von einem Mann ohne Robe, den sie einst bei so einem Ritual gesehen hatte, der sich anfühlte wie der Imperator selbst. Die Stimme des Imperators nannte sie ihn.

Ich fand derweil den Drachen. Er nannte mich Eiszapfen, ich ließ es ihm durchgehen. Er wollte Nebel über dem Dorf. Ein großes Feuer, langsam gelöscht, das ginge. Ob noch etwas fehle? Ein Wunder, sagte ich. Unmögliches kommt sofort, Wunder gibt mir fünfzehn Minuten, meinte er. Als ich ihm Grüße von Juno ausrichtete, fiel ihm erst wieder ein, dass ich bei der Belagerung dabei gewesen war. Mit über zweihundert dürfe man vergesslich sein, behauptete er, und jammerte, seine Rüstung passe nicht mehr, weil er nie aufhöre zu wachsen. Wir alle werden fett, wenn wir rasten.

Dann kam der Bürgermeister mit einer Kiste aus seinem Keller, gezeichnet mit den Insignien der KRS-Wächter. Darin lagen Pflöcke und Dolche, mit Silber überzogen. Astaria glaubte, dass eine Magiephase kommen würde, und dass sie dem Feind ebenso nützen würde wie uns. Kendron sprach von Effizienz, Shane von Training, und der Drache sah über die Barrikaden.

Machen wir mal ein Feuer, sagte er. Bis Sonnenaufgang war es nicht mehr weit.

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