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A RS-Avalon

Bordbuch · Eintrag 6

Dämonen im Kopf, Pläne auf dem Tisch

Sitzung vom 27:06:10225 NKS

Aufgezeichnet von Astaria

An jenen Abend denke ich oft zurück. Nicht, weil etwas Großes passiert wäre, sondern weil wir zum ersten Mal ernsthaft darüber stritten, was aus uns werden sollte. Die Militärbasis gehörte inzwischen uns. Flint, Ciran und Kendron hatten die verbliebenen Wachen in die Zellen gesperrt, und unten im Labor hatte Shane getan, was nicht jeder gern mit ansieht: Er war in den Geist einer jungen Frau namens Mira eingedrungen, um herauszufinden, was man ihr angetan hatte.

Ich war nicht dabei. Was im Labor geschah, habe ich mir später erzählen lassen, und ich gebe es so wieder.

Shane saß danach auf dem Boden, blass und schweißnass, und Ayana drückte ihm etwas zu trinken in die Hand. Er nahm ein paar Schlucke, stellte fest, dass es kein Whisky war, und zeigte Ciran trotzdem den Daumen. Mira lag bewusstlos in den Armen ihres Kollegen, eines jungen Wachmanns, den Shane bei seinem Ausflug in ihren Kopf kurzerhand mit einbezogen hatte. Die beiden, so sagte er später, seien gute Freunde. Er habe es gesehen und gespürt.

Als Lysara und Rukleah hereinkamen und wissen wollten, ob es etwas gebracht hatte, war Shanes Antwort ehrlich: Das wisse man erst, wenn sie aufwache. Dann blickte er an sich herunter, schnupperte und kam zu dem Schluss, dass irgendwer die Gunst der Stunde genutzt und ihn angekotzt hatte. Lysara empfahl die Waschräume, Rukleah verzog das Gesicht. Shane zog Hemd und Shirt aus, wusch beides am Laborwaschbecken aus und hielt anschließend gleich den ganzen Kopf unter den Wasserstrahl. Ayana fühlte Miras Puls und versorgte Shane mit einem Energieriegel, auf den er sich stürzte, als hätte er seit Tagen nichts gegessen.

Mira schlief tief, und niemand wollte sie wecken. Auf Rukleahs Frage, was er in ihr gesehen habe, sagte Shane nur: dämonische Gestalten. Hässlich. Er vermutete, dass nur sie diese Wesen so sah und alle anderen bloß Menschen vor sich hatten. Ayana fragte sich laut, ob Mira eine Seherin sein könnte. Lysara merkte trocken an, dass es ganz davon abhänge, mit welcher Art Dämon wir es zu tun hätten, und blieb im Labor, falls jemand erschossen werden müsse. Lysara eben.

Ich saß derweil oben in der Kommandozentrale und drehte mich auf einem Stuhl. Als Kendron hereinkam, streichelte ich eine unsichtbare Katze auf meinem Schoß und begrüßte ihn wie ein Schurke aus einem alten Holodrama. Er kannte die Szene und fragte prompt, ob ich ihm jetzt meinen Plan zur Weltherrschaft verraten würde. Ich sagte ihm, die Eroberung dieser Basis sei der erste Schritt. Ganz gelogen war das nicht.

Auf den Monitoren sahen wir einen Trupp Gardisten hereinmarschieren. Personal hatten wir also, nur nicht genug. Ich wollte weitere Basen zurückholen und die Siedlungen überzeugen, sich uns anzuschließen. Kurz gesagt: die Liga wieder aufbauen. Kendron erwähnte, dass Frallham Zulauf meldete, mahnte aber, nach Leuten zu suchen, die nicht einfach dem Nächstbesten mit hübschen Versprechungen hinterherlaufen.

Dann kam Rukleah hoch, ging zielstrebig an ein Terminal und seufzte, als nichts passierte. Magiephase. Sie hatte auf Truppenbewegungen, Stärke und Logistik des Gegners gehofft. Ich erklärte ihr, dass diese Basis früher ein zentraler Stützpunkt zwischen hier und der Hauptstadt gewesen war, ein Ort, von dem aus man ein ganzes Gebiet kontrollieren kann. Rukleah wusste, dass sich die neuen Herren hier der Pakt nannten, mit Händlern und Dörfern zusammenarbeiteten und die Gilde nicht ausstehen konnten. Ihr Vorschlag war so effizient wie kalt: ein paar Pakt-Einheiten auslöschen, es nach der Gilde aussehen lassen und ein, zwei Überlebende laufen lassen, damit sie es weitererzählen. Ich sagte vielleicht. Ich wollte erst mehr wissen.

Als ich davon sprach, eine Kopie des Gründungsvertrags der Liga aus dem Archiv zu holen, meinte Rukleah, ein altes Stück Papier schütze niemanden vor Banditen. Kendron warf ihr einen Blick zu, der Bände sprach. Mein Plan war schlicht: zuerst die Siedlungen, die uns ohnehin wohlgesonnen sind. Die Schlangensiedlung, deren Anführer ein Verbündeter war, die Siedlung, in der die Crew angekommen war, und die bei mir in der Nähe. Und sobald Flint die Kopie des Schlüssels fertig hatte, konnten wir Juno um Hilfe bitten. Rukleah drängte darauf, die Festung für eine Belagerung zu rüsten und die Garnison zu sichten. Da waren wir uns einig, nur sollte jeder Rekrut aus diesen Reihen erst einmal unter Beobachtung stehen. Tickende Zeitbomben hatte ich in meinem Leben genug.

Irgendwann sprach ich aus, was im Raum stand: ohne Senat, mit wer weiß wie vielen Häusern im Hintergrund, lief das auf eine Notverordnung hinaus. Fast eine Diktatur. Kendron warnte, dass uns das um die Ohren fliegen könne, wenn zu viele ihren inneren Warlord entdecken. Wir bräuchten etwas, das die Leute eint, außer militärischer Stärke. Rukleah brachte einen besetzten Thron ins Spiel und sagte, ohne Legitimität seien auch wir nur Warlords. Frell, sie hatte nicht ganz unrecht. Ich erinnerte daran, dass die Häuser dazu neigen, Anwärter zu ermorden und hinterher von nichts zu wissen. Ich wette, genau diese Zecken haben überlebt.

Blieb die Frage, wer zu den Siedlungen geht. Rukleah schlug Kendron vor, mit der Begründung, er sei zwar kein guter militärischer Anführer, könne aber Menschen überzeugen. Kendron verlangte für diplomatisches Feingefühl eine Kiste Thermaldetonatoren, nominierte Shane, weil der schließlich Jedi sei, und verglich Rukleah mit einem Kampfdroiden aus den Klonkriegen. Sie verstand kein Wort. Statt ins Archiv zu gehen, sollte Frallham einen Datenuplink einrichten und neue Freiwillige werben. Lysaras Erzengeleinheit sollte uns helfen, die Basis zu sichern.

Wen ich zu den Siedlungen schicken würde, wusste ich an diesem Abend noch nicht. Unten schlief Mira, Ayana wachte bei ihr, und Shane verteilte Wasser. Und Kendron sagte leise, er vermisse McCoy immer mehr.

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