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A RS-Avalon

Bordbuch · Eintrag 7

Schlechtes Essen, große Pläne

Sitzung vom 05:07:10225 NKS

Aufgezeichnet von Astaria

An jenen Abend denke ich oft zurück. Nicht, weil etwas Großes passiert wäre, sondern weil wir zum ersten Mal seit langer Zeit laut ausgesprochen haben, was wir eigentlich wollten. Die Zitadelle der Kelteraner gehörte uns, Frallhams Leute waren gerade durch das Tor marschiert, und wir standen vor der Frage, die nach jedem gewonnenen Gefecht kommt: Und jetzt?

Was im Labor geschah, haben mir Shane und Ayana später erzählt. Mira, die junge Soldatin, die wir halb zerstört aus den Händen dieser sogenannten Anführer geholt hatten, wachte auf und tat, was jeder vernünftige Mensch in ihrer Lage tun würde. Sie geriet in Panik. Ayana sprach leise auf sie ein, Shane hielt sich mit ruhiger Stimme im Hintergrund, und erst als ihr Kamerad Finvar sagte, die Leute hier seien nett, wurde sie etwas ruhiger. Untersuchen lassen wollte sie sich trotzdem nicht. Shane musste darüber lachen. Er erkannte sich wohl in ihr wieder, jedenfalls was Ärzte angeht.

Dann sprang Lysara mit beiden Füßen hinein. Man brauche Informationen über die Monster, um es mal klar und deutlich zu sagen. Shane hat mir gestanden, dass er sich in diesem Moment mit der flachen Hand vor die Stirn geschlagen hat. Mira erzählte trotzdem, was sie wusste, und das war wenig. Die Anführer seien nicht von hier, sie kämen von weit her, immer wieder, für Geschäfte. Ihre Erscheinung sei schrecklich. Man habe sie hereingerufen, sie habe die Gesichter gesehen, danach sei alles dunkel geworden. Keine Namen, kein Grund. Lysara gab irgendwann auf und verließ den Raum. Zwei Dinge blieben aber hängen: Über jeden, der der Allianz beitritt, wird eine Akte angelegt. Und in Miras Dorf lebt ein gewisser Muro, der dort als Verwalter für die Allianz arbeitet. Ayana sah in dem Moment absichtlich weg, damit Mira nicht merkte, wie viel sie uns gerade gegeben hatte.

Ich war da längst woanders. Kendron hatte sich nach der Auseinandersetzung in der Zentrale in die oberen Ebenen verzogen, an den alten Offiziersquartieren vorbei bis zu einem Panoramafenster mit Blick über das Land. Ich bin ihm gefolgt, weil ich ihn kenne. Von dort oben sah alles friedlich aus. Das tut es immer.

Ich entschuldigte mich für das, was vorhin abgelaufen war. Er sagte, es sei nicht meine Schuld, nur aufschlussreich, welche Meinung sie von ihm habe. Laut, eigenwillig, riskant und mit der Erwartung, dass alle ihre Ideen schlucken, auch wenn andere darunter leiden. McCoy habe auch oft widersprochen, meinte er, aber McCoy habe einen respektiert. Dieser Klon sei anders. Ich sagte ihm, er sei ein lausiger Diplomat, es sei denn, man nehme Argumentation per Blaster ins Handbuch auf. Er gab zu, dass es nicht seine Stärke sei, Leute zu einen. Ich erinnerte ihn daran, dass eben nicht jeder ein Halbgott mit Kampflanze sein kann, woraufhin er mir allen Ernstes erklärte, die Holovidsendung Markulnes und die Sternenlichter von Gihbrala sei furchtbar gewesen. Ich fand sie lustig. Darüber streiten wir uns heute noch.

Dann wurde er still und fragte mich, ob wir das schaffen. Wir schufen uns wieder mächtige Feinde, er trug seine Rüstung nicht, und sein Training hatte er die letzten Jahre vernachlässigt, weil er sich um Ayana gekümmert hatte. Ich sagte ihm die Wahrheit: irgendwie ja, leicht nein. Was mir mehr Sorgen machte, war etwas anderes. Wir beide kannten Wege, mit denen man das alles schnell beenden könnte. Wir hatten sie schon einmal gesehen, in einer anderen Form des Seins. Was bringt es, Kelta wieder aufzubauen, wenn am Ende eine Schreckensherrschaft dabei herauskommt? Kendron gestand, dass genau das der Grund war, warum er nicht mehr meditierte. Also redeten wir über einen neuen Gründungsvertrag, über die Frage, was die Keltaner einst überhaupt zusammengebracht hatte. Kendron erinnerte sich, auf der Avalon gelesen zu haben, dass die Alten sie beeindruckt hätten. Wir brauchten Flints Anwahlgerät, um notfalls Juno rufen zu können, und jemanden für die Dörfer. Kendron bot Blasterdiplomatie an, ich dachte an meine Tochter, er an Frallhams Leute. Am Ende einigten wir uns auf das Wichtigste: erst Kaffee, dann Zentrale.

Unterwegs klopfte Shane in meinem Kopf an. Mira und Finvar wollten nur noch nach Hause, und er fragte, ob ich ihnen jemanden hinterherschicken wolle. Ich sagte, er solle sie gehen lassen. Wenn wir sie festhalten, sind wir nicht besser als die anderen. Um den Verwalter würde sich jemand kümmern, und zwar bald, denn Kendron hatte recht: Eine Soldatin, die einfach heimkommt, macht Leute misstrauisch. Ayana bestand immerhin darauf, dass die beiden vorher etwas aßen. Shane erzählte ihnen, sie habe ihn auch schon mal angekettet. Finvar versprach ihm, Mira irgendwann zu erzählen, was Shane für ihren Geist getan hatte.

Flint hatte sich derweil durch die Wartungsprotokolle der Anlage geflucht, in mindestens zwei Sprachen, und aus dem Lüftungsschacht des Labors einen Filter gezogen, der aussah, als hätte er die letzten sechzehn Jahre überlebt. Er zeigte ihn Ciran, der vor dem Zellentrakt Wache hielt, und die beiden kamen ins Gespräch über ihre zweiten Gestalten. Ciran erzählte, dass er als Wolf klar denkt und sogar die Macht nutzen kann, und dass er sich über Körpersprache mit Wölfen verständigt. Flint, der Drache, der seine menschliche Hülle nur als Bremse empfindet, war schwer beeindruckt.

In der Kantine fanden wir Shane vor einem Teller, dessen Inhalt ich nicht beschreiben möchte. Frell, selbst Flint starrte die Essensausgabe an wie einen Tatort. Kendron schlug vor, ein, zwei Mal für die Gefangenen zu kochen, dann seien die auf unserer Seite, und den hiesigen Koch als Folterknecht mit Kochlöffel zu behalten. Ich erzählte den anderen von unserem Plan: die Liga wieder zusammenrufen, die fremden Fraktionen vom Planeten scheuchen. Ayana erinnerte mich daran, wie viel Verantwortung das bedeutet. Shane meinte, man könne Banditen auch integrieren, mit Essen, einem Schlafplatz und Ausbildung bei Frallhams Leuten. Ayana ergänzte ärztliche Versorgung, Flint eine Auffrischung in Wartung.

Wer in die Dörfer gehen würde, wussten wir an diesem Abend noch nicht. Aber Kendron brachte es auf den Punkt: Mitten in einer Apokalypse, die nun schon sechzehn Jahre dauerte, hatten wir plötzlich ein Angebot, das nach der guten alten Zeit schmeckte. Jetzt mussten wir nur noch jemanden finden, der es verkauft.

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