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A RS-Avalon

Bordbuch · Eintrag 12

Flache Laken im Zwielicht

Sitzung vom 16:08:10225 NKS

Aufgezeichnet von Astaria

An jenen Abend denke ich oft zurück, meistens dann, wenn jemand behauptet, ein Plan sei narrensicher.

Wir saßen noch immer in diesem verfluchten Bunker fest, in dem irgendetwas die Pflanzen wuchern ließ, als hätte man ihnen Steroide in die Erde gekippt. Ayana hatte uns allen Blut abgenommen, Kendron zuletzt. Geübt und konzentriert wie immer, und trotzdem rieb er sich hinterher noch eine ganze Weile den Arm, als hätte sie ihm einen Speer durchgerammt. Ciran verpackte die Proben so sorgfältig, als wären sie aus Kristall. Kendron meinte, es sei fast ein Glück, dass wir so wenige seien, sonst wäre längst jemand in Panik geraten. Shane fand, dafür hätten wir schlicht zu viel hinter uns. Da hatte er recht.

Die Frage war, wie es weitergeht. Mein Vorschlag war einfach: Eingänge sprengen, Bunker zu, fertig. Kendron sah mich an, als hätte ich vorgeschlagen, den Planeten anzuzünden, bis er verstand, dass ich nur die Zugänge meinte. Ayana warnte leise, dass eine vollständige Zerstörung etwas freisetzen könnte, das wir nicht kannten. Shane bedauerte, dass man das Ding nicht einfach mit Beton ausgießen konnte. Wir brauchten also einen Bauplan, und den sollte ausgerechnet ich liefern. Meine alten Zugangsrechte steckten noch immer im planetaren Netz. Niemand hatte sie gelöscht, weil ich eigentlich tot sein sollte. Es war das erste Mal, dass ich mich über ein Sicherheitsleck nicht beschwert habe.

Ayana wollte die Blutuntersuchung eigentlich erst zu Hause machen, in einem geschützten Bereich. Ich bat sie, es hier zu tun. Wenn wir etwas in uns trugen, wollte ich es wissen, bevor wir durch Flints Dekontaminationsschleuse marschierten und uns in falscher Sicherheit wiegten. Ciran sprach es aus: Wenn es schon in uns steckte, half keine Schleuse der Welt. Ayana nickte, packte alles zusammen und ging zur Krankenstation. Ciran folgte ihr, mit der klaren Ansage, ihr nicht zu nahe zu kommen.

Kendron und Shane setzten sich an die Konsolen, und ich stand daneben und kam mir vor wie ein lebender Schlüssel. Immerhin brachte Kendron eine Frage auf, die mich beschäftigte: Wie hält man Prospektoren davon ab, hier später wieder zu graben? Warnschilder, schlug Shane vor. Ich war ziemlich sicher, dass die Leute dann erst recht buddeln. Kendron dachte an etwas Fieseres, an Strahlung, an schmutzige Bomben. Ich kenne mich mit so etwas weniger aus. Ich kann Dinge abfackeln. Ciran und Shane fanden das gar nicht verkehrt, Feuer tötet einiges ab. Damit stand es fest: Bevor wir gingen, würde ich alles in Flammen setzen, und dann flogen die Eingänge in die Luft. Kendron riet mir, an diesem warmen Gedanken gut festzuhalten.

In der Krankenstation durchwühlte Ayana Schränke, fand Phiolen, Pipetten und schließlich, mit einem Laut, den man sonst nur von Schatzsuchern hört, ein altes Mikroskop. Kendron fand derweil einen Lageplan mit allen Ebenen, Ausgängen und Fluchtwegen. Die Lüftung lag nicht weit von der Energiequelle, die Shane und Flint repariert hatten.

Dann flackerte das Licht. Aus dem Technikbereich kam ein Stottern, und plötzlich gingen sämtliche Terminals aus. Nur noch die Notbeleuchtung, gerade genug, um seine eigenen Hände zu erahnen. Mit einem leisen Klacken entriegelten sich die Türen, damit niemand eingeschlossen wurde. Ciran setzte sich im Schneidersitz auf einen entfernten Tisch und ließ seine Taschenlampe zu Ayana hinüberschweben, damit sie Licht hatte und er trotzdem Abstand hielt. Ayana arbeitete einfach weiter. Gut, dass so ein altes Mikroskop keinen Strom braucht.

Shane hob die Hand. Irgendwo weiter den Gang hinunter öffneten sich Türen und schabten dabei über Wurzeln. Kendron, Shane und ich machten uns auf zum Generator, denn aufteilen wollten wir uns nicht noch weiter. Die Gänge im Lampenschein waren eine Parade aus offenen, überwucherten Räumen, und manche Türen waren geschlossen geblieben. Ich wusste nicht, ob mich das beruhigte.

Der Generator lief noch, aber unruhig. Shane suchte die Leitungen ab, Kendron startete einen Reinigungszyklus der Ventile. Drei der zwölf waren mit irgendeiner Masse verstopft, bei zweien kam noch mehr davon heraus. Beim zweiten Durchlauf waren die Leitungen zu achtundsiebzig Prozent frei, und Kendron rief tatsächlich »Es werde Licht«. Es wurde Licht. Die Türen blieben trotzdem offen. Die Luftwerte waren in Ordnung, und Shane füllte etwas von der Masse in eine Phiole, die er immer für die Gilde dabeihat.

Während wir zurückgingen, bemerkte Ciran in der Krankenstation, dass die Laken über den Leichen flacher wirkten als vorher. Ayana hob eins an. Darunter war nichts. Sie schickte Ciran zur Sprechanlage und machte weiter, gewissenhaft, denn schnell heißt ungenau, und ungenau kann tödlich sein.

Ich nahm den Ruf im Kommandoraum entgegen. Die Toten stehen nicht einfach auf und gehen spazieren, sagte ich. Zumindest sollte das nicht die Regel sein. Kendron, gerade noch erfreut, dass die Eingänge bereits vermint waren und wir nur Zünder brauchten, deutete beruhigt auf unsere eigenen zwei Toten in der Ecke.

Shane zog die Laken weg. Leer.

»Ich hasse es, wenn ein Plan nicht funktioniert«, sagte Kendron.

Frell. Ich auch. Und irgendwo in diesem Bunker, hinter all den offenen Türen, war etwas, das wusste, wohin unsere Toten verschwunden waren.

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