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A RS-Avalon

Bordbuch · Eintrag 13

Tote, die nicht liegen bleiben wollten

Sitzung vom 06:09:10225 NKS

Aufgezeichnet von Astaria

An jenen Abend denke ich oft zurück, meistens dann, wenn ich irgendwo im Dunkeln etwas schleifen höre.

Wir standen im Kommandoraum des Bunkers und starrten auf ein Tuch. Darunter hatten Leichen gelegen, genau wie im Medizinrevier, wo Ayana sie zuletzt gesehen hatte. Jetzt war da nichts mehr. Kein Staub, keine Flüssigkeit, keine Spur. Kendron hob das Tuch an, als könnten sie sich darunter nur besonders klein gemacht haben. Shane meinte, es sehe aus, als wären sie einfach weggegangen. Ich wies darauf hin, dass Tote sich normalerweise nicht bewegen. Normalerweise. Auf Kelta ist das ein dehnbares Wort.

Ayana stand das Unbehagen ins Gesicht geschrieben. Sie wollte wissen, was hier geschehen war, und hatte gleichzeitig Angst vor der Antwort. Flint dagegen rechnete halblaut aus, wie viel Hitze nötig wäre, um die ganze Anlage sauber zu brennen. Er kam auf etwa 1,2 Terajoule. Ich habe nicht nachgerechnet, aber ich traue ihm da.

Der Plan war schnell gefasst: holen, was wir brauchten, alles verminen und verschwinden, bevor das, was unter dem Tuch gelegen hatte, beschloss, uns zu folgen. Kendron hatte an einer Konsole herausgefunden, dass in Lagerraum 4 die Sprengkapseln für die bereits angebrachten Ladungen lagerten. Rot-gelbe Markierungen an den Wänden zeigten, wo sie hingehörten. Und ganz unten gab es offenbar einen Bahnhof, ein Tunnelnetz zu anderen Anlagen. Wohin es führte, wusste niemand. Immer wieder etwas Neues.

Lagerraum 4 war beinahe enttäuschend ordentlich. Flint schob seine Pilotflamme zuerst durch die Tür, aber außer etwas Staub, der auch Blütenstaub sein konnte, fanden wir nichts Bedrohliches. Keine Ranken, kein Moos. Kendron zerrte die Kiste mit den Kapseln heran und verteilte großzügig. Flint befand, es sei alter Kelta-Standard, und verstaute sie in einer der unzähligen Taschen seines Mantels.

Ich stöberte derweil in den anderen Kisten und fand Waffen, die ich zuletzt in meinem früheren Leben gesehen hatte: Dolche, Schwerter mit Goldverzierungen, ausfahrbare Kampflanzen mit eingebauter Lampe. Die Batterien waren noch geladen, was Ayana mehr wunderte als mich. Ich habe Kendron zur Demonstration damit ins Gesicht geleuchtet. Er fragte, ob das Taschenlampen seien. Männer. Am Ende hing an fast jedem Gürtel eine Lanze. Shane ließ sein altes Hobby von der Leine und lud sich zwei Schwerter über Kreuz auf den Rücken, dazu Dolche und Lampen. Besser haben als brauchen, meinte er. Ayana nahm einen Stab mit seltsamen Inschriften mit, ähnlich ihrem eigenen und doch anders. Flint kletterte die Regale hoch und wuchtete eine ganze Kiste Kompositmaterial für Rüstungen herunter, die er von da an mit einer Hand hinter sich herschleifte. Ciran fand Granaten aller Sorten, ich ein paar alte Handrücken-Coms. Und weil mir die Anlage langsam vertraut vorkam, sagte ich laut, was ich dachte: Das hier sah nach einer Einrichtung unseres Geheimdienstes aus. Einst gab es eine Abteilung für besondere Angelegenheiten. Sie wurde geschlossen, bevor ich den Thron bestieg.

Dann polterte es im Gang. Laut. Flint ließ seine Augen in das drakonische Leuchten wechseln, Shane zog sein Lichtschwert aus der Hosentasche, ohne es zu zünden. Ein paar Schritte weiter stand eine Tür offen, die laut Warnschild besser geschlossen geblieben wäre. Dahinter Gewucher und Dunkelheit, und Shane war sich sicher, dass dort etwas von links nach rechts gehuscht war. Kendron hatte genug von offenen Türen und lauten Geräuschen. Er zog mit Flint, Ayana und Ciran los, um die Ringe zu bestücken, während ich mit Shane nachsah.

Wir fanden nichts, das sich bewegte. Nur einen Gang voller Labore mit großen Sichtscheiben, manche mit Anpflanzungen, manche mit leeren Untersuchungsbetten. Er ging um die Ecke weiter, vielleicht kilometerweit. Bei den Göttern, was hatten die hier angestellt? Wir gingen zurück in den Kommandoraum, Shane schloss ein Datenpad an, und ich startete mit meiner alten Freigabe den Kopiervorgang.

Was dabei über den Bildschirm lief, gefiel mir nicht: Videologs, Laborberichte, Nachrichten an Ministerien und Senat. Terraforming-Experimente, Pflanzenwachstum, die Erschaffung von Leben auf unwirtlichen Planeten. Die Pilze sollten erste Nahrung für Kolonisten sein, und man war offenbar so weit gewesen, eine ganze Kolonie zu simulieren. Mit echten Menschen, nehme ich an. Shane bestand darauf, dass die Karte mit den Tunneln dabei war. Sie war es.

Unten arbeiteten sich die anderen von Ring zu Ring. Kendron riss Abdeckungen ab, setzte Kapseln ein, machte scharf. Ciran reichte ihm Nachschub, auch wenn Kendron gerade gar keine brauchte. Ayana hielt die Augen offen und warf immer wieder Blicke in die Labore. Flint verkündete zufrieden, dass von der Anlage bei dieser Menge Sprengstoff nachher nichts mehr übrig sein werde. Dann der letzte Ring, unten bei den Tunneln, und Kendrons Ruf: raus hier.

Wir trafen uns an Flints improvisierter Dekontaminationsschleuse. Alle unversehrt, die Gang wieder vereint. Weißer Nebel hüllte uns ein, Flint entriegelte die Außentür, Kendron startete den Timer.

Genau in diesem Moment flackerte das Licht und erlosch. Der Computer meldete einen Lockdown, und mit einem satten Geräusch verriegelten sich sämtliche Ausgänge. In der Dunkelheit hörten wir Bewegungen, ein Schleifen über den Boden. Und irgendwo hinter uns tickte der Countdown für die Sprengladungen, die wir eben selbst scharf gemacht hatten.

Frell.

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