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A RS-Avalon

Bordbuch · Eintrag 14

Achtzehn Minuten und ein Flachmann

Sitzung vom 04:10:10225 NKS

Aufgezeichnet von Astaria

An jenen Abend denke ich oft zurück, meistens dann, wenn jemand vorschlägt, „nur mal kurz“ in einen alten Bunker zu schauen. Wir standen damals am Ausgang einer verfallenen Forschungsanlage. Flints selbstgebaute Desinfektionsanlage hatte uns gerade abgespritzt, die Sprengsätze tief im Inneren tickten bereits, und dann meldete die Türsteuerung freundlich eine Quarantäneverriegelung. Die Außentür blieb zu. Notbeleuchtung, Alarm, und darunter ein Geräusch, das ich nie vergessen werde: ein Schlurfen, durchsetzt mit etwas Metallischem.

Flint verkündete, er habe drei Pläne mit ansteigender Dummheit, und machte sich über das Bedienfeld her. Das Schott sah allerdings aus, als hätte es schon Schlimmeres als einen entschlossenen Ingenieur überstanden. Kendron warf einen Blick auf den Zeitzünder: achtzehn Minuten. Shane lauschte mit geschlossenen Augen in die Gänge hinein, und mir fiel der U-Bahn-Tunnel ein, den wir auf einer digitalen Karte gesehen hatten. Ebene fünf. Shane wies nüchtern darauf hin, dass es ein Weg ohne Wiederkehr sei, weil die Zugänge mit in die Luft fliegen würden. Bevor wir das ausdiskutieren konnten, humpelte ein Wissenschaftler um die Ecke, der eindeutig schon länger nicht mehr Wissenschaft betrieb. Ich nahm ihm den Kopf ab. Noch ein Haken auf der Checkliste.

Ayana murmelte, das erinnere sie an früher, und dann, sehr leise, dass sie nicht sterben wolle. Kendron schob sich mit zwei Klingen vor sie. „Bleib direkt zwischen mir und Flint, Liebes.“ So formierten wir uns: Shane und ich vorne, Kendron dahinter, Ayana mit ihrem Stab in der Mitte, Ciran mit seinen Kurzschwertern, weil sein Bogen in der Enge nichts taugte, und ganz hinten Flint mit dem Flammenwerfer, dessen Pilotflamme den Korridor in zuckendes Orange tauchte. Shane schickte eine Machtwelle in einen Seitengang und spielte mit zwei Kittelträgern Kegeln. Kendron erledigte, was zwischen uns durchrutschte.

Den Aufzug mieden wir, und ich bin bis heute überzeugt, dass das in jeder Sicherheitsanweisung steht, gleich neben Feuer: bei Zombieinvasionen bitte die Treppe benutzen. Flint behauptete prompt, er kenne einen Ort, an dem man bei Feuer ausdrücklich den Aufzug nehmen solle. Dann knackte er wortlos das Schloss zum Treppenhaus. Shane wunderte sich, dass es plötzlich so viele Leichen gab. Meine Vermutung war, dass der frühere Energieausfall die verschlossenen Bereiche geöffnet hatte. Kendron fand, die Anlage sei einfach zu alt.

Acht Minuten, sagte Kendron im Treppenhaus. Ich bat darum, bloß keinen Stress zu machen, und rannte trotzdem. Kurz vor Ebene fünf hörten wir es über uns: schnelleres Schlurfen. Flint leuchtete nach oben und sah Schatten, Kendron fluchte etwas, das wie „Shebs“ klang. Flint öffnete die nächste Tür, wartete, bis wir alle durch waren, und jagte dann den gesamten Tank seines Flammenwerfers den Schacht hinauf. Den leeren Werfer warf er hinterher, verkeilte die Tür und zuckte zusammen, als das Ding im Treppenhaus explodierte.

Unten lag eine Röhre mit zwei Gleisen, schwach beleuchtet, und darauf ein kleiner Personalwagen. Ich spürte einen leichten Luftzug aus dem Tunnel, was mir Hoffnung machte. Shane kletterte in den Führerstand, Kendron zählte die Sekunden herunter, und ich gebe zu, dass ich ziemlich kritisch „Shane?“ rief, als es auf vierzig zuging. Er ließ den Wagen anrollen, langsam genug, dass Ciran und zuletzt Kendron noch aufspringen konnten, dann gab er Schub. Kendrons Countdown wurde dabei verdächtig sprunghaft, sieben, fünf, drei, eins, und Shane bemerkte grinsend, dass er dauernd Zahlen vergesse. Dann grollte es hinter uns.

Die Staubwalze holte uns ein. Flint brüllte hustend, wir sollten uns tief halten und durch Stoff atmen, und dichtete den Wagen ab, so gut es ging. Ayana vergrub ihr Gesicht an Kendrons Rücken, der sich nach seinem Helm sehnte, Shane und Ciran banden sich Tücher vor den Mund. Flint meinte, er sei über zweihundert und erlebe trotzdem noch Neues. Als sich der Dreck legte, zog er einen Flachmann hervor. Selbstgebrannter Kräuterschnaps. Ich nahm einen Schluck und fand ihn widerlich, Flint verzog selbst das Gesicht, Kendron und Shane tranken trotzdem. Ayana wünschte sich nur Wasser.

Eine Weiche lenkte uns auf ein anderes Gleis, und schließlich tauchte ein alter Bahnsteig auf, der eher zivil als militärisch wirkte. Sicher war ich nicht, ich bin nie Bahn gefahren. Flint erklärte, er möge Züge, Meisterleistungen der Ingenieurskunst, und Shane klopfte dem Wagen zum Abschied auf die Stahlflanke. Auf der Treppe nach oben kündigte Ayana an, uns alle zu Hause noch einmal zu untersuchen. Ich hob die Arme und stöhnte „Hiiirne“ in Shanes Richtung. Flint fand das nicht lustig. Ich schon.

Oben versperrte ein überwuchertes Gittertor den Weg. Technikphase, aber kaum Funk. Flint streckte mir die Zunge raus, als ich „Sesam öffne dich“ sagte, und das Tor klickte auf. Daraufhin überlegte er laut, seine Dienste der Vermögensumverteilungsbranche anzubieten. Kendron nannte ihn einen geschuppten Panzerknacker, Ayana schlug den Namen Carlo vor, ich Daniel Flintertrieb. Er wollte sich lieber selbst etwas ausdenken.

Draußen lag eine Siedlung, die wir kannten, freundlich und etwa drei Stunden von zu Hause entfernt. Nicht ganz daheim, aber hier würde uns wenigstens niemand erschießen. Die Pferde konnten bis morgen warten. Wir legten Credits zusammen und beschlossen, uns als Prospektoren auszugeben, nicht als Leute, die zum Spaß Bunker sprengen. Kendron warf Shane einen Blick zu, der deutlich sagte: Diesmal geht die Bar bitte nicht in Flammen auf. Shane zuckte unschuldig mit den Schultern.

Flint folgte seiner Nase zum Gasthaus, der Wirt musterte uns, stellte fest, wir hätten wohl einen schlechten Tag gehabt, und legte Schlüssel auf die Theke. Was wir nicht bemerkten: Aus den Schatten der Siedlung beobachtete uns jemand. Und in der Taverne saß jemand, der noch nichts von seinem Glück wusste.

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